„Sara starb in Kirjat-Arba, das ist Hebron im Land Kanaan, und Abraham kam, um Sara die letzte Ehre zu erweisen und um sie zu beweinen.“ (Genesis 23,2)

Zu diesem Vers weist der Sohar darauf hin, dass Sara den Körper und Abraham die Seele repräsentiert.

Sara starb – der Körper starb.

In Kirjat-Arba – arba (was auf Hebräisch „vier“ bedeutet) symbolisiert die vier Grundelemente jedes physischen Wesens: Feuer, Geist, Wasser und Staub.

Das ist Hebron – Hebron leitet sich vom hebräischen Wort mechubar ab, „verbunden“. Solange der Körper lebt, sind diese vier Elemente miteinander verbunden.

Und Abraham kam, um über sie zu weinen – selbst nachdem die Seele den Körper verlassen hat, sind sie immer noch miteinander verbunden, und so trauert die Seele über die Trennung.

Es gibt noch einen weiteren Vers, der mit Sara, unserer Stammmutter, in Verbindung steht. Er ist in meinem Elternhaus sehr bekannt und wird von allen Kindern schon von klein auf oft zitiert – dank meiner Mutter, die ebenfalls nach unserer Stammmutter Sara benannt ist (kein Zufall)! Sie pflegte laut und deutlich zu verkünden (und tut dies immer noch, wenn sie es für nötig hält): „Was auch immer Sara euch sagt, hört auf ihre Stimme“ (Genesis 21,12). Und meine Mutter fügte diesen Worten noch einen Kommentar hinzu: „Der Rebbe sagte, dies gelte für alle jüdischen Frauen.“

Sara steht für den Körper und Abraham für die Seele

Ungeachtet der Tatsache, dass jede Frau auf der Welt diesen Vers gerne als Regel akzeptieren würde, bleibt dennoch die Frage offen, was der Sohar darüber sagt, dass Sara den Körper, den physischen und materiellen Teil von uns, repräsentiert. Ist das die Sichtweise der Tora? Sollen wir immer auf unsere materiellen Stimmen hören und all unseren Wünschen und Ambitionen nachjagen? Lehrt uns die Tora nicht vielmehr von Seelen, höheren Zielen, g-ttlichen Bestrebungen, Selbstlosigkeit und g-ttlichen Missionen, die uns zu einem spirituelleren Leben führen?

Der Baal Schem Tow, der Begründer der chassidischen Bewegung, greift auf eine Erklärung aus einem anderen Vers zurück, um uns zu lehren, wie Körper und Seele ihre Kräfte bündeln, jahrelange Konflikte beiseite legen und in der Lage sein sollten, ihre individuellen Ziele zu erreichen.

Wenn ein Jude auf der Straße geht und den Esel seines Feindes sieht – im Hebräischen leitet sich das Wort für Esel von chomer ab, „materiell“. Die Seele sieht ihren Feind, den Körper,

der unter seiner Last liegt – der mit der schweren Last ringt, die er entschlossen ist, sein Leben lang zu tragen: all die Gebote und Verbote der Tora und des jüdischen Gesetzes,

„Hilf dem Esel!“ – befiehlt die Tora. Lass ihn nicht auf der Straße zurück, nimm ihm die Last nicht ab, hilf ihm, sie zu tragen. Lass das Körperliche nicht zurück! (Hajom Jom, 28. Schewat, zu Exodus 23:5)

Sei spirituell. Hör auf Sara. Hör auf deinen Körper. Nutze ihn. Setze deine animalischen Triebe und irdischen Errungenschaften für g-ttliche Missionen ein. Genau das erwartet G-tt von dir.

Heute ist es schwer, die Heiligkeit im Körperlichen zu erkennen, aber wir warten immer noch auf die Tage, an denen alle Augen die Herrlichkeit G‑tts sehen werden, die das gesamte Universum erfüllt. Das ist das Vermächtnis unserer Matriarchinnen und Patriarchen; ihre Erfahrungen sind ewige Inspirationen in unserem täglichen Leben. Sie erhielten in dieser Welt einen Vorgeschmack auf die kommende Welt. Aber auch wir können sie ein wenig kosten.

(Und an alle Frauen da draußen: Jetzt mehr denn je können wir wissen, dass wir immer Recht haben!)