Am weiten Nachthimmel funkeln die Sterne wie Diamanten, die über die dunkle Leinwand des Universums verstreut sind.
Aber was bedeutet es eigentlich, ein Stern zu sein?
Im Englischen hat das Wort „star“ zwei Bedeutungen:
- Die Himmelskörper, die über uns leuchten.
- Menschen, die in der Gesellschaft glänzen: Prominente, Sportler, Künstler.
Beide Bedeutungen deuten auf Brillanz, Sichtbarkeit und Einfluss hin, aber wenn man genauer darüber nachdenkt, erscheinen uns die Sterne gar nicht so hell. Die Sonne, unser nächstgelegener Stern, dominiert unsere Welt mit ihrem Licht und ihrer Wärme. Doch wenn wir „Stern“ hören, denken wir normalerweise nicht an die Sonne; sondern an schwache, ferne Lichtpunkte.
Warum verbinden wir Sterne also mit Größe?
Diese Frage knüpft an das berühmte Versprechen an, das G‑tt Abraham gab: dass seine Nachkommen „wie die Sterne am Himmel“ sein würden.1 Oberflächlich betrachtet bezieht sich dies auf die Quantität – ein riesiges, unzählbares Volk. Doch es gibt eine tiefere Ebene. Sterne mögen aus unserer Perspektive klein erscheinen, doch in Wirklichkeit sind viele weitaus größer als unsere Sonne. Ihre Größe wird durch die Entfernung verborgen. Das lehrt uns etwas Tiefgründiges: Wahre Größe ist nicht immer auf den ersten Blick erkennbar. Sie mag still sein, ja sogar verborgen, doch das macht sie nicht weniger gewaltig.
Das hebräische Wort für Stern, kochav (כוכב), hat eine tiefe spirituelle Bedeutung. In einem Vortrag aus dem Jahr 1991 offenbarte der Rebbe eine bemerkenswerte Einsicht in dieses Wort und dessen Verbindung zur jüdischen Identität.2
Die Prophezeiung Bileams – ursprünglich als Fluch gedacht, doch in einen Segen verwandelt – verspricht: „Ein Stern wird aus Jakob hervorstrahlen.“3 Der Jerusalemer Talmud bietet zwei Auslegungen dieses Verses an.
- Der Stern bezieht sich auf den Moschiach, den endgültigen Erlöser, der ein Zeitalter des Friedens und des g-ttlichen Bewusstseins einläuten wird.
- Der Stern bezieht sich auf jeden Juden.
Auf den ersten Blick scheinen dies zwei unvereinbare Vorstellungen zu sein. Doch auf der Grundlage einer Lehre des frühen chassidischen Meisters Rabbi Menachem Nochum von Tschernobyl gelangen wir zu einer eindrucksvollen Versöhnung: Es handelt sich nicht um zwei unterschiedliche Erklärungen; sie sind ein und dasselbe.4
Wie das?
Jeder Jude trägt einen Funken des Moschiach in sich. Der Stern, der von Jakob ausgeht, ist nicht nur der zukünftige Erlöser, sondern auch das g-ttliche Potenzial in jedem von uns. Der Rebbe betonte diesen Gedanken in all seinen Lehren: dass jeder Jude ein kochav ist, ein Stern, der fähig ist, die Welt mit Tora, Mizwot und g-ttlicher Wahrheit zu erleuchten.
Die kabbalistische Bedeutung von „Kochav“
Das hebräische Wort kochav besteht aus vier Buchstaben: כ (Chaf), ו (Vav), כ (Chaf) und ב (Bet), deren Zahlenwerte wie folgt lauten: Chaf = 20, Vav = 6 und Bet = 2.
Die ersten beiden Buchstaben – Chaf und Vav – ergeben zusammen 26, was dem numerischen Wert des g-ttlichen Namens (Jud-He-Vav-He) entspricht. Dies steht für G‑tts Gegenwart in der Welt – in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
Das zweite Paar – Chaf und Bet – ergibt insgesamt 22, was den 22 Buchstaben des hebräischen Alphabets entspricht. Diese Buchstaben sind die Bausteine der Schöpfung. Chassidische Meister erklären, dass G‑tt die Welt durch Sprache erschaffen hat, d. h. durch die heiligen Buchstaben des Aleph-Bet. Die Schöpfung ist kein Zufall; sie ist ein g-ttlicher Ausdruck durch die Sprache der Tora und die 22 heiligen Buchstaben.
| ב | כ | ו | כ |
|---|---|---|---|
| 2 | 20 | 6 | 20 |
| 22 Buchstaben des hebräischen Alphabets | 26, der Wert des Namens von G‑tt | ||
Unsere Mission: Das G‑ttliche in der Welt offenbaren
Was ist also ein kochav, ein Stern? Er ist ein Symbol für unsere Mission. Er steht für die Verschmelzung der g-ttlichen Gegenwart (26) und des Mediums der Schöpfung (22). Ein Stern, ein kochav, ist jemand, der offenbart, wie G‑tt die Welt durch die Tora und die hebräischen Buchstaben erschafft und erhält.
Das ultimative Ziel des Judentums ist es, zu erkennen, dass alles in der Welt eins mit G‑tt ist und dass es keine Existenz außerhalb von Ihm gibt. Jede Mizwa, die wir erfüllen, bringt diese Wahrheit ans Licht. Wenn wir Mizwot erfüllen und das G-ttliche offenbaren, werden wir zu wahren Sternen, kochavim.
Deine Sternenrolle annehmen
Das ist das Wesen des Moschiach: eine Welt, in der alles als Ausdruck der G-ttlichkeit gesehen wird. Wenn wir die Welt durch diese Linse betrachten – dass alle Existenz mit G‑tt vereint ist und nichts von Ihm getrennt ist –, beginnen wir, in einer Moschiach-Realität zu leben.
Wie können wir dies verwirklichen? Denke über deine eigene Rolle bei der Offenbarung des G‑ttlichen nach. Wie kannst du dein Licht leuchten lassen und andere inspirieren? Welche Mizwot kannst du heute erfüllen, um den Menschen um dich herum Freude, Güte und Heiligkeit zu bringen?
Jede Mizwa, die wir erfüllen, ist eine Gelegenheit, das g-ttliche zu offenbaren. Indem wir dies tun, werden wir zu Mitschöpfern mit G-tt und arbeiten mit Ihm zusammen, um der Welt Licht und Erlösung zu bringen.
Jeder einzelne von uns hat das Potenzial, hell zu leuchten – nicht nur als fernes Funkeln, sondern als strahlende Kraft der Verwandlung. Wir sind nicht nur Beobachter der Sterne. Wir sind die Sterne.
Mit den Worten des Hajom Jom:
Der Jude wird mit den Sternen verglichen, die am hohen Himmel funkeln. Durch ihr Licht wird selbst derjenige, der in der Dunkelheit der Nacht wandelt, nicht straucheln. Jeder Jude, ob Mann oder Frau, besitzt genügend moralische und spirituelle Kraft, um Freunde und Bekannte zu beeinflussen und sie ins Licht zu führen.5
Mögen wir bald die Erfüllung der Prophezeiung erleben: „Ein Stern wird aus Jakob hervorstrahlen.“ Mögen unsere Taten und Absichten von der Weisheit der Tora geleitet werden, und mögen wir zu den Sternen werden, die den Weg in eine strahlendere, g-ttlichere Zukunft für alle erhellen.

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